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Mietrecht : Auf den Hund gekommen: Mieter und ihre Haustiere
10.10.2008 18:35 (2945 x gelesen)

Auf den Hund gekommen: Mieter und ihre Haustiere

Ob Hund, Katze oder Hamster: In vielen Mietwohnungen leben Haustiere. Häufig wissen die Vermieter gar nicht, dass ihr Mieter ein Tier in der Wohnung hält. Doch selbst wenn der Mieter um Erlaubnis fragt, darf der Vermieter Tiere nicht generell verbieten. Sogenannte Kleintiere muss er sogar trotz Verbotsklausel im Mietvertrag billigen.
In Deutschland werden zur Zeit laut IVH mehr als 23 Millionen Hunde, Katzen und Kleintiere gehalten. Damit lebt in jedem dritten Haushalt ein Tier - auch in Mietswohnungen. Doch längst nicht alle Vermieter sind mit einer Tierhaltung des Mieters einverstanden. Mit Klauseln im Mietvertrag wollen viele Vermieter Haustiere in der Mietwohnung verhindern oder den Mieter dazu zwingen, vorher um Erlaubnis zu fragen. Doch Vorsicht: Solche Vereinbarungen sind nicht immer wirksam.


Vorbehalte gegen Haustiere

Wenn ein Vermieter in seinem Vertrag mit dem Mieter festlegt, dass er keine Tiere in der Wohnung erlaubt, hat das meistens einen Grund. Sei es die Angst davor, dass sein Eigentum durch einen nagenden Hamster beschädigt werden könnte oder dass die Nachbarn sich über ständiges Hundegebell beschweren würden. Konflikte mit anderen Mietparteien oder Eigentümern im Haus könnte es auch dann geben, wenn der Mieter ein exotisches Haustier hält.
Doch eine Klausel im Mietvertrag schützt den Vermieter nicht vor Haustieren in der Wohnung. Selbst wenn er darin die Tierhaltung generell verbietet oder Haustiere nur nach Absprache duldet, darf der Mieter mit sogenannten Kleintieren in der Wohnung leben. Solange er sich auf kleine Tiere wie Hamster, Meerschweinchen oder Kanarienvögel beschränkt, muss der Mieter keine Erlaubnis beim Vermieter einholen.
 

BGH-Entscheidung zu Haustieren

Das hat der Bundesgerichtshof in einer Entscheidung vom November 2007 erneut klar gemacht. Demnach dürfen Mieter jegliche Arten von Kleintieren halten, ohne den Vermieter vorher fragen zu müssen. Eine Klausel im Mietvertrag, die generell eine Tierhaltung in der Mietwohnung verbietet, ist also unwirksam, denn Kleintiere sind immer erlaubt.
Bei größeren Tieren - dazu zählen auch die meisten Hunderassen - gilt die Kleintierregelung nicht. Hier hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass im Einzelfall geklärt werden müsse, ob das Tier in der Wohnung gehalten werden darf. Stört zum Beispiel ein großer Hund durch lautes Bellen oder ein Papagei durch seine Schreie die Nachbarn, darf der Vermieter die Tiere in der Wohnung verbieten.
 

Ausnahmen des Tierverbots

Wenn der Mieter allerdings aus gesundheitlichen Gründen - etwa weil er blind ist oder an Depressionen leidet - einen Hund benötigt, muss der Vermieter die Tierhaltung in diesem Fall erlauben (Landgericht Hamburg, AZ 316 S 44/94).
Manche Tierarten dürfen von Privatpersonen nicht ohne Erlaubnis einer Behörde gehalten werden. Solche Regelungen gelten allerdings nicht gleichermaßen in ganz Deutschland, sondern sind regional unterschiedlich. So schreibt das Landeshundegesetz von Nordrhein-Westfalen vor: "Wer einen gefährlichen Hund hält oder halten will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde." In Hessen dagegen gelten noch schärfere Regeln: Seit Herbst 2007 ist die hobbymäßige Haltung von gefährlichen Wildtierarten verboten. Darunter fallen vor allem bestimmte Giftschlangen, Vogelspinnen und Froscharten.
 

Krankheitsbild "Animal Hoarding"

An einen weiteren Fall von Tierhaltung, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstößt, erinnern Tierschutzverbände immer wieder: Das sogenannte "Animal Hoarding", also das Horten von Tieren als Sammelleidenschaft, sei ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild. Es betreffe Menschen, die immer mehr Tiere bei sich aufnehmen, jedoch ohne angemessen für sie sorgen zu können. Allerdings hätten diese Tierhalter oft kein Einsehen, so beschreibt es der Deutsche Tierschutzbund.
Was in den USA bereits als anerkannte psychische Krankheit gilt, wird in Deutschland noch relativ wenig diskutiert. Allerdings machen Tierschutzvereine und Medien immer häufiger auf solche Fälle aufmerksam. So wurden Tierschützer in der Vergangenheit mehrfach zu Wohnungen gerufen, in denen Dutzende oder gar Hunderte von Tieren in einem verwahrlosten Zustand lebten.
 

Tipp:

Wenn Ihr Mieter seine Tiere verwahrlosen lässt, verstößt er gegen das Tierschutzgesetz und kann angezeigt werden. Allerdings sollten Sie nicht vorschnell handeln. Bei Verdacht können Sie sich an den Tierschutzbund wenden und sich informieren, welche Möglichkeiten Sie im konkreten Fall als Vermieter haben.
 
Autor: Mirjam Büttner


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